4 Verletzungen an Frauen, die man(n) nicht sieht.

Mit Mutterlöwin-Instinkt geboren?

Vor über 40 Jahren wurde ich geboren, mindestens genauso lange habe ich es schon mit Kommunikation zu tun. Kommunikation mit dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht – damals unterschied man nur unter diesen zwei Geschlechtern. Und mindestens genauso lange bin ich schon eine Mutterlöwin. Es liegt in meiner Natur, die Jungen zu beschützen und sie am Weg ins Leben zu begleiten.

Seit meinem Einstieg ins Erwachsenenalter, wann auch immer das war, hat sich daran nichts Grundlegendes geändert. Ich war immer die gute Freundin/Nachbarin/Cousine/Kollegin mit dem offenen Ohr. Immer! Ohne Anspruch auf Gegenleistung!

Was hat sich dann geändert?

Sehr früh durfte ich schon lernen, dass es vollkommen irritierend für andere ist, wenn frau selbst dann mal ein offenes Ohr benötigt. Wenn frau selbst eine starke Hand auf der Reise des Lebens braucht. Wenn frau mal kein offenes Ohr hat, weil sie selbst auf ihre Energie achten muss.

Sogar im engsten Kreise der Lieben hört man dann Sätze wie: Glücklicherweise bist du so eine starke Persönlichkeit, du schaffst das schon! oder Kopf hoch, bei dir bin ich mir sicher, dass du das packst! oder Man bekommt nur die Challenges, die man auch lösen kann! oder Na, ich drück dir die Daumen, meld dich einfach, wenn es dir wieder besser geht oder du jemanden zum Reden brauchst! oder Boah, ja, das kenn ich, also bei mir….. PUNKT.

2011 hab ich dann beschlossen, eine Ausbildung zum Dipl. Mentalcoach zu machen. Zuerst eigentlich nur für mich! Es hat einige sehr unschöne Erlebnisse in meinem Leben gegeben, vielleicht erzähle ich zu einem späteren Zeitpunkt mal darüber.

Ich wollte also wissen, wie ich gut mit meinen Energieressourcen umgehen kann, ohne mich zu übernehmen. Wie ich gut geben und zuhören kann, ohne mich selbst zu vergessen.

Wie ich anderen eine Stütze sein kann, ohne mich selbst auszubeuten. Vor allem aber, wie ich mich gut von all dem BS* abgrenzen kann, der uns Frauen, im Laufe des Lebensweges in den Rucksack hinein gepackt wird.

Als die Passion zur Profession wurde.

Schnell durfte ich lernen, dass da noch viel mehr in mir steckt, als nur die gute Zuhörerin und die Freundin mit den strategischsten Lösungen, wie man durch eine Krise kommt.

Dank des Feedbacks meiner hervorragenden MentorInnen und KollegInnen wusste ich: Okay, die Reise geht weiter.

Sie ging bis zur Sigmund Freud Uni und dem Master of Science in Beratungswissenschaften und Management sozialer Systeme oder leichter gesagt: Psychosoziale Beratung.

In hunderten von Praxisstunden, Seminaren und Coachingeinheiten, die ich abgehalten habe, schälte sich meine wahre Berufung heraus und ich erkannte, wo bei uns Frauen der sprichwörtliche Hund begraben ist, dazu gleich mehr.

Der laute Ruf etwas ändern zu wollen.

Dieser Ruf führte mich bald in die Selbständigkeit. Erst als Teilzeit-Womenpreneur, ab 1.1.17 als 100% Femmeboss. Welche riesigen Hürden ich da zu überwinden hatte, werde ich demnächst mal in einem separaten Blogartikel erzählen.

Ich wollte etwas ändern! In der Wirtschaft, im Marketing und der Kommunikation der Unternehmen, aber auch für jede einzelne Frau selbst – ob als Angestellte, Gründerin oder Unternehmerin.

Long story short: Die Geschichten und Lebenswege von hunderten von Frauen und Klientinnen haben meine Positionierung geprägt.

Das, was ich schon mein Leben lang machte, nämlich Frauen auf ihrem Lebensweg zu motivieren, zu begleiten, mit ihnen in Krisen und Herausforderungen Tipps und Lösungsansätze auszuhecken, das war plötzlich meine Arbeit, auf wissenschaftlichem Fundament gebaut!

Dann wurde es hart!

Wahrscheinlich hätte ich nicht so viel Empathie für meine Kundinnen und Klientinnen, wenn ich nicht selbst durch zahlreiche Täler und Verletzungen gewandert wäre.

Hätte ich nicht die eine oder andere „Watschn“ selbst kassiert, würde ich die Krisen wahrscheinlich nicht so gut nachempfinden können.

Den Unterschied macht natürlich immer: Wieviel Resilienz trage ich in mir, um damit zurecht zu kommen. Wieviele Techniken habe ich an der Hand, um nach dem Gewitter wieder die Sonne aufgehen zu lassen. Wo suche ich mir die richtige Hilfe, wenn ein Problem zu groß wird.

Und da kommen wir schon zur 1. großen Baustelle, die wir Frauen, eindoktriert bekamen.

1. Du musst stark sein!

Du musst erstmal überhaupt nix!

Das Rollenbild der Frau in unserer Gesellschaft ist leider immer noch so, dass Frauen keine Schwäche zeigen sollten.

Ist sie im Büro geschlaucht, weil das Kind die ganze Nacht gehustet hat, ist sie die typische Mami – eh klar.

Schleppt sie sich trotz monatlichem Unwohlseins oder sogar Schmerzen in die Arbeit und schaut ein bisserl zerknittert drein – dschissas, die leidet schon wieder.

Hebt sie in der Besprechung die Hand und merkt an, dass diese Lösung nicht wirklich die Bedürfnisse der Frau deckt – mannooo, sei doch nicht so zimperlich!

Brüllt sie, wenn es um Beförderung geht, nicht wie ein Löwe, prescht der männliche Kollege in vollem Karacho vorbei – Tja, du musst eben ein bisserl mehr Stärke zeigen!

Brüllt sie, wenn es um Beförderung geht, wie ein Löwe, prescht der männliche Kollege in vollem Karacho vorbei – Tja, du darfst halt nicht so hysterisch sein!

Kein Witz! Alles Beispiele aus dem Coaching!

Ladies, es liegt an uns, an jeder Frau, das Rollenbild der Frau selbstbewusst und überzeugt zu stärken! Diese Verletzungen dürfen nicht mehr passieren! Alte, ausgediente Glaubenssätze, dürfen endlich aus der Gesellschaft und jedem einzelnen Kopf verbannt werden.

Da sind wir schon bei der 2. Baustelle:

2. Du bist gut genug!

sagte kaum eine Frau morgendlich zu ihrem Spiegelbild.

Da kommen eher Sätze, wie: Ich bin nicht gut genug! oder Was werden die anderen denken? oder Wenn ich das mache, dann bin ich ein schlechter Mensch! oder Das habe ich nicht verdient! oder Du musst lieb/brav/korrekt sein! oder Du darfst nicht anecken! oder Bleib unsichtbar, dann kann man dich auch nicht verletzen!

Alles BS*! Da sind sie wieder, die sogenannten Glaubenssätze!

Limitierende Gedanken, die dir irgendwann im Laufe deines Lebens eingeimpft wurden!

Aus einem Rollenbild, in dem die Frau lieb, brav, devot und leise sein musste.

Sch… drauf! Wir haben 2019 und DU BIST GUT GENUG! In jeder Hinsicht! Lass dich nicht von solchen Gedanken verletzen! Das ist Masochismus – in reinster Form!

Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen! Stärke deine Stärken und trag dein Feuer in die Welt hinaus! Voller Kraft und Stolz!

Work for a cause and not for applause!, heißt es so schön! Wenn du das machst, was du liebst, dann wirst du erfolgreich sein und nicht darüber nachdenken müssen, was die anderen sagen!

Und sei dir bewusst, die 3. Baustelle kommt danach wie das Amen im Gebet:

3. Du bist karrieregeil!

Die wohl schlimmste Verletzung, die frau heute zu spüren bekommt ist Neid!

Selten von Männern, meistens von anderen Frauen!

Und selten ist es „Oh wow, wie cool! Ich beneide dich, das hätte ich auch gerne! Toll hast du das gemacht!“

Meistens ist es der böse Neid – die Missgunst!

Schau dir die an, die hat sich wohl hochgeschlafen! oder Sieh mal, sie macht einen auf Nachhaltig und Vegan, dabei macht sie das doch alles nur für die Follower! oder Madonna! Die macht sich jetzt selbständig, dabei gibt es schon 1000 andere, die länger am Markt sind! oder Whaaat? Yogalehrerin willst du jetzt werden, bist du jetzt auch am hippen Esotripp, oder wie? oder Was? Workshops willst du geben? Glaubst du nicht, dass der Markt schon übersättigt ist damit? oder Echt jetzt? Ganztags? Wozu hast du dann überhaupt Kinder bekommen?

Nicht aus der Luft gegriffen – Nacherzählung aus meinem Lebens- und Coachingalltag!

Liebe Frauen, können wir uns einigen, dass keine einzige Frau es notwendig hat eine andere Frau derart zu bashen! Haben wir nicht genug Hürden und 1000 Aufgaben gleichzeitig, die es zu meistern gilt?

Lasst doch bitte endlich den Neid sterben, lasst uns gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und uns gegenseitig unterstützen und emporheben, anstatt runter zu ziehen! #bettertogether #communityovercompetition

Dieses Konkurrenzdenken ist wirklich emotionaler Missbrauch an der Frau! Das bringt mich auch schon zur 4. Baustelle:

4. Du musst egoistischer werden!

Wenn es um emotionalen Missbrauch geht, da könnte ich Stunden darüber schreiben! Ich werde wohl demnächst einen eigenen Blogartikel zu dem Thema schreiben. Steht genau jetzt schon auf meiner Liste.

Heute, am internationalen Weltfrauentag, habe ich bereits viel über #STOPzuGewaltAnFrauen gelesen. Da geht es darum, dass in Deutschland laut Statistik alle 5 Minuten eine Frau misshandelt, gestalkt, bedroht wird und sogar jede 4. Frau schon Opfer häuslicher und sexueller Gewalt ist. Laut Studie wird häufiger als jeden 3. Tag in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.

Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch höher.
Was definitiv noch höher ist, doch niemand sieht die Verletzungen, ist der emotionale Missbrauch! Da gibt es kein blaues Auge, keinen gebrochenen Arm, keine aufgeplatzte Lippe!

Klingt grauslich? Ist auch so!

Das schlimmste für mich ist, es beeinträchtigt nicht nur dein Privatleben – es macht dich auch beruflich kaputt!

Es zerstört deine Kraft und Energie täglich mit einem Lächeln und voller Selbstbewusstsein zu deiner Arbeit zu gehen und deinen Mann zu stehen (bewusst gewähltes Wording!).

Wie solltst du ein Unternehmen, eine Karriere aufbauen, wenn du zuhause oder in deinem Umfeld immer wieder runtergebuttert wirst?

Es ist nicht immer der Partner, die Partnerin, sehr oft ist es auch die Mutter, der Vater, die KollegInnen oder wie in Punkt 3 die anderen Frauen oder sogar sog. Freundinnen.

Dennoch ist die emotionale häusliche Gewalt meiner Meinung nach ein viel zu wenig beleuchtetes und in den Medien kolportiertes Thema.

Meist ist es gerade der Partner, die Partnerin, die/der ganz genau weiß, wo deine wunden Punkte sind. Welche Knöpfchen er/sie drücken muss, um zu kontern und dich damit zu verletzen. Wo er/sie das hauchzarte Diamantskalpell ansetzen muss, um dich augenblicklich zu sezieren.

Das ist Missbrauch und zwar Missbrauch der feinsten und elegantesten Sorte. Natürlich meist hervorgerufen durch seine/ihre eigenen Baustellen.

Meistens weiß frau das auch ganz genau. Sehr oft ist das der Grund warum frau ihn/sie trotzdem liebt. Fast immer ist das der Grund warum frau nicht geht. Für immer.

Dieser Missbrauch muss aufhören. Wir wissen, wir können die Anderen nicht ändern.

Aber jede Frau kann bei sich selbst mit dieser Änderung beginnen und automatisch wird sich dann auch das systemische Umfeld mitändern.

Bleibt auf der Sachebene, lasst euch in einer Diskussion nicht auf die emotionale Ebene runter ziehen.

Bleibt klaren Kopfes und wenn alles nichts hilft, seid „egoistisch“ und geht.

Für 5 Minuten, bis sich die Lage etwas entschärft hat, für 30 Minuten, bis sich die Situation beruhigt hat, für 1 Tag, damit genug Abstand zum Brennpunkt ist, oder für immer!

Bin ich eine Emanze?

Allein dieses Wort ist, meiner Meinung nach, schon entwürdigend! Ich sehe mich weder als Emanze, noch als Feministin! Also nicht wirklich! Ein bisschen vielleicht!

Was ich definitiv bin ist: eine PHILANTROPIN! Ich liebe die Menschen.

Die Basis ist Menschenliebe, Vernunft, Gleichheit, Natürlichkeit und Glück.

Sehr oft geht, in einem anderen Rollenbild Frau, der Hass gegen Männer.

Ich hingegen bin jedoch überzeugt, dass auch viele Männer in Schutz genommen werden sollten!

Nämlich genau die, die für uns Frauen einstehen!

Die, die Frauen fördern.

Die, die die alten Konventionen über Bord werfen und sich alle Aufgabenbereiche mit den Frauen in gleichem Ausmaß teilen – jeder nach seinen Stärken und Bedürfnissen.

Die, die sich deswegen sehr oft vor ihren männlichen Kollegen / Freunden rechtfertigen müssen.

Genau diesen Männern gilt am Weltfrauentag der Dank!

Mein Conclusio

Bitte liebe Frauen – und auch Männer, falls ihr diese Zeilen lesen solltet – lasst uns mit diesen heimlichen Verletzungen aufhören.

Steht füreinander ein, supported euch gegenseitig, hört auf herum zu neiden, bashen oder mobben. Empowert euch gegenseitig, pusht euch, motiviert euch!

Vor allem: Schämt euch nicht Hilfe anzunehmen oder zu suchen!

Und das Wichtigste: Macht euch nicht selbst fertig! Hört auf mit Brainfuck und BS*Glaubenssätzen!

Steht auf und geht euren Weg! Hold your head up high!
Kopf hoch, Schultern straff, Brust hinaus, Bauch hinein – hab ich schon als Kind im Ballett gelernt!

Also, alles Liebe und viel Kraft an euch! Und wenn ihr mir einen Kommentar hinterlassen wollt, freue ich mich sehr! Ich bin total interessiert, wie ihr dieses Thema seht!
Eure Tamara

 

PS: Für den Fall, dass dir das heute noch niemand gesagt hat, möchte ich hier an dieser Stelle die Gelegenheit wahrnehmen und es dir jetzt sagen: DU BIST GROSSARTIG

 

*BS = Bullshit

6 Comments

  1. Veröffentlich von Sandra am 13. März 2019 um 8:38

    Ich hab glaub ich noch nichts authentischeres bezüglich dieser thematik gelesen! Sowas von gut auf den punkt gebracht. Ein hoch auf die, denen es wurscht ist was andere von einem denken, da du der einzige richter über dein leben bist und ein noch größes hoch auf die, die dieses gefühl hoffentlich auch bald erleben dürfen vielen dank für diese realen worte & ich finds einfach nur großartig was du da machst!

    • Veröffentlich von Tamara Zulechner am 13. März 2019 um 9:20

      Wow, Sandra, Danke für dein so tolles und nettes Feedback!! ❤️ Ich freu mich sehr, wenn meine Gedanken so ankommen, wie ich sie fühle! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diese Zeilen an mich und die Leser zu verfassen! Ich wünsche dir einen wunderbaren und starken Tag!
      Liebe Grüße, Tamara

  2. Veröffentlich von Sabine am 9. März 2019 um 13:05

    Wunderbar treffend. Danke❤️

    • Veröffentlich von Tamara Zulechner am 9. März 2019 um 15:00

      Danke liebe Sabine ❤️

      • Veröffentlich von Doris Brückler am 9. März 2019 um 15:29

        Du sprichst mir total aus dem Herzen ❤
        Ich wünsche mir, dass ganz viele Leute deinen Artikel lesen und so wie ich innerlich nicken – denn so wird sich etwas verändern, ich bin sicher!
        Schön, dass es Menschen – Dich – gibt, die die Welt mit diesen Augen sehen und lebenswerter machen wollen

        • Veröffentlich von Tamara Zulechner am 9. März 2019 um 15:46

          Danke Doris ❤️ Wenn wir alle zusammenhalten, speziell wir Frauen, dann können wir diese Welt verändern!! Gemeinsam sind wir stärker ❤️

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